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Fall Josef F.: Eine Frage der Ethik für die Medien

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Heute beginnt in St. Pölten der Prozess gegen den Inzestvater Josef Fritz, der seine eigene Tochter 24 Jahre in seinem Keller eingesperrt, hunderte Male vergewaltigt und mit ihr 7 Kinder gezeugt haben soll. Das Medieninteresse ist riesengroß. 200 JournalistInnen und MedienberichterstatterInnen aus der ganzen Welt werden erwartet. Dabei sind nur knapp 100 JournalistInnen für den Schwurgerichtssaal zugelassen. Die Frage, die bleibt. Wie werden die Boulevardmedien berichten?

Werden die Boulevardmedien jegliche Ethik vergessen? Die deutsche „Bild„-Zeitung hat ein eigenes Special eingerichtet – unter dem reißerischen Titel „Josef Fritzl – das Inzest-Monster vor Gericht“.

Die britische „SUN“ hat vor ein paar Wochen den ersten Schritt unternommen und Bilder der Fritzl-Kinder veröffentlicht. Immerhin haben die österreichischen Medien eine Veröffentlichung der Bilder abgelehnt bzw. die Personen unkenntlich gemacht. Ein kleiner Beweis, dass Ethik und Moral der österreichischen Boulevardmedien und Gratisblätter nicht schon gänzlich ad acta gelegt wurden. Zum Prozessauftakt scheint dies wieder verworfen zu sein. So spricht die Tageszeitung „Österreich“ auf ihrer Homepage oe24.at vom „Monster-Prozess“. Bezeichnender Titel für die Qualität des Journalismus mancher Medien

Die britische „SUN“ bringt heute ein „Exklusivinterview“ mit der Gattin von Josef F. Jener Person, die von den Machenschaften von Josef Fritzl ein Vierteljahrhundert nichts mitbekommen hat.  Auch sie titelt heute in der Onlineausgabe vom „cellar fiend“ (Kellermonster).

Es bleibt abzuwarten, wie die in- und ausländischen Medien, ob der wahrlich grauenhaften Taten von Josef Fritzl, die nächsten 5 Tage berichten werden. Ob ethische Grundsätze endgültig über Bord geworfen werden, um die besten Storys und Bilder zu lukrieren. Jedenfalls ist dieser Prozess ein gefundenes Fressen für Boulevardmedien, die ihre  eigene Sensationsgeilheit und jene so mancher LeserInnen befriedigen können und wohl auch werden…

(Bildquelle: Screenshot thesun.co.uk – 16.3. 13:15 Uhr)

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  1. 16. März 2009 um 10:03 | #1

    Nicht nur die Bild hat eine Serie, auch der Kurier, den ich selbst eigentlich nicht als Boulevardmedium einschätze.

  2. 16. März 2009 um 10:47 | #2

    Hab vorhin kurz auf NTV gesehn, wie sich die Kameraleute und Fotografen gegenseitig niedergetrampelt haben – schlimm is das.

  3. 16. März 2009 um 14:01 | #3

    @ clemensticar

    Es geht viel mehr darum, wie Medien über den Prozess gegen Josef F. berichten. Der Kurier und andere Qualitätszeitungen wie z.B. derStandard berichten in neutraler Form. Boulevardmedien tun dies nicht. Die Wortwahl ist das entscheidende.

    @ Andy:

    Ich hab auch die Bilder vom Prozessbeginn gesehen. Verwunderlich ist’s nicht.

  4. 17. März 2009 um 22:19 | #4

    zur wortwahl in der schweiz. der zürcher „tagesanzeiger“ (wir nennen ihn liebevoll „tagi“) geniesst einen vergleichbaren ruf wie der „standard“. aber auch er kann’s nicht lassen:

    die story zu seinem anwalt fängt so an:

    Der Advokat des Teufels

    Josef Fritzl wird vom mediengewandten Wiener Rechtsanwalt Rudolf Mayer verteidigt. Die Klienten des Starjurists würden zusammen ein eindrückliches Horrorkabinett bilden.“ (…)

    es ist schrecklich, was er gemacht hat, ja. und ich bin selbst journalist und wäre versucht, es zu dramatisieren. aber „monster“, „horrorkabinett“ o.ä. werden dem, was seine opfer erleiden mussten, doch gar nicht gerecht.

    das was passiert ist, lässt sich mit dem nötigen respekt für die opfer viel eindrücklicher beschreiben. man braucht nur die fakten auflisten. der rest (vielleicht auch der „horror“) entsteht dann ganz von selbst beim leser im kopf.

    diese aufbauscherei und dramatisierung sind völlig überflüssig. sie verharmlosen das ganze sogar. am ende erinnert das doch nur noch an die story eines ausgelutschten horrorfilms, wie sie täglich gedreht werden.

    wo bleibt da noch platz für das tatsächliche grauen, das leid?
    und vielleicht auch die frage nach dem warum?

  5. 17. März 2009 um 22:48 | #5

    Ich will mich nicht wiederholen, angeregt durch deinen Artikel hier habe ich selbst was geschrieben, vielleicht interessierts euch ja: http://www.alteknacker.at/?p=503

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